Über Jesper Juul
Juul und seine dänischen Kolleg:innen wie etwa Ruth Hansen oder Peter Mortensen gehen von der Idee aus, dass jede echte Begegnung zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf den Prinzipien der Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität und erwachsener Verantwortung für die Qualität der Beziehung gründen muss - jenseits von Strafe oder Belohnung, Gehorsam oder konditioniertem Verhalten.
Juul war der Überzeugung, dass Kinder von Natur aus kooperieren wollen. Wenn Kinder also durch „Ungehorsam“ und schwieriges Verhalten auffallen, ist dies immer ein spiegelbildlicher Hinweis auf eine defizitäre Umgebung, auf versteckte oder offene Konflikte auf der Elternseite oder auf eine Unwahrhaftigkeit auf der Erwachsenenseite. Somit stehen im Familiensystem vor allem die Dynamik unter den Erwachsenen und deren Konflikte im Zentrum. Statt die Eltern aber für ihr Verhalten zu beschämen, geht es vielmehr darum, gemeinsam zu untersuchen, aus welcher Prägung und Not heraus sie handeln und welche Potentiale und Alternativen ihnen zur Verfügung stehen.
In dem Maße, wie die Eltern mehr mit sich in authentischen Kontakt kommen und für sich und ihre Führungsrolle in vollem Maße die Verantwortung übernehmen, lösen sich die Spannungen zwischen ihnen und zu ihren Kindern auf. Die Kinder und Jugendlichen werden aus ihrer übermäßigen Verantwortung für die Familie entlassen. So entsteht für sie mehr Freiraum für ihre eigenständige Entwicklung.