Familientherapie
Wenn eine Familie mit Kindern zu mir kommt, geht es meistens um Streitigkeiten zwischen Erwachsenen und Kindern oder zwischen den Kindern. Dennoch sind die Erwachsenen für die Qualität der Beziehungen innerhalb der Familie verantwortlich und somit meine ersten Ansprechpartner. Die Kinder können sich dazu äußern, müssen es aber nicht. Jugendliche und junge erwachsene Kinder haben in der Regel ein größeres Bedürfnis, Teil des Gesprächsprozesses zu sein.
Auch im Familienkontext geht es darum, Situationen zu schaffen, in denen sich die Erwachsenen im Hier und Jetzt neu erleben und erfahren können. Ich frage sie, was sie sich wünschen, was sie sich davon im Hinblick auf die Familie und ihre Rolle an Veränderung erhoffen und wie sich das auf ihr Zusammensein und auf sie selbst auswirken würde. Ich ermutige sie, sich als Eltern einander zuzuwenden und dabei Dinge auf andere Weise zu sagen oder zu tun als gewöhnlich. Denn oft haben sich die Erwachsenen im Zuge der alltäglichen Überforderung und Ausrichtung auf ihre Kinder aus den Augen verloren. Sie reiben sich in kleinlichen Streitereien und gegenseitigen Beschuldigungen auf, die sich schnell hochschaukeln können.
Wenn wir Eltern unseren Kindern aber signalisieren, dass wir uns um uns selbst und unsere Bedürfnisse und um unsere Partnerschaft kümmern und Probleme und Herausforderungen zu uns nehmen, entlassen wir sie aus übermäßiger, nicht altersgerechter Verantwortung. So entsteht bei ihnen mehr Freiraum für ihre eigenständige, authentische Entwicklung hin zu mehr Freiheit in einer neuen Qualität von Geborgenheit und Gleichwürdigkeit.
Trennungsbegleitung
Wenn Eltern oder Paare sich trennen, ist dies oft ein schmerzhafter Prozess. Trotz unterschiedlicher Gefühle bedeutet dies den Verlust eines Traums - des Traums von einer erfüllten Liebe oder einer harmonischen Familie mit einem gemeinsamen Leben , in dem es allen Beteiligten gut geht. Beide befinden sich meist an unterschiedlichen Punkten der Bewältigung und sind oft unterschiedlicher Auffassung über den Grund für diese Entscheidung. Diese konfliktreiche Phase ist für beide belastend und verletzend. Die Umstände der Trennung spielen dabei für den gegenseitigen Umgang eine große Rolle. Gefühle wie Trauer und Wut, Schuld und Scham tauchen auf, genauso wie Hoffnung, Erleichterung oder Freude.
Besonders Kinder leiden unter der Trennung der Eltern. Sie fühlen sich (mit-)schuldig, müssen ihren Alltag an getrennte Haushalte und zeitweise an neue Familienmitglieder anpassen und mit weniger Zuwendung ihrer Eltern zurechtkommen. Viele Kinder kooperieren im Übermaß und fühlen sich gleichzeitig existentiell einsam, ohne das Gefühl, sich mit ihrem Schmerz mitteilen zu können. Zugleich sind sie diejenigen, deren Liebe zu beiden Eltern unvermindert fortlebt. Diese Liebe ist meist der wichtigste Grund der Eltern für den Wunsch nach einer besseren Zusammenarbeit.
In dem Prozess der Trennungsberatung geht es darum, Eure Schwierigkeiten im Verständnis des anderen Partners zu ergründen, auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit bei Euren Kindern. Dahinter verbergen sich oft lange zurückgehaltene Gefühle wie Wut, Trauer oder Verbitterung über frühere frustrierende oder verletzende Erlebnisse und nicht artikulierte Sehnsüchte. Indem ich Euch gleichberechtigt zu Wort kommen lasse, werden diese alten Gefühle für den anderen sichtbar und verständlicher.
Ich ermutige Euch, Eure jeweilige Verantwortung im Hinblick auf Euren aktuellen und zukünftigen Austausch zu übernehmen. Je mehr Ihr Euch in kleinen Schritten entgegenkommt, Euch offen, klar und aufmerksam für Wünsche, Positionen und Sichtweisen der anderen Person zeigt, desto größer die Möglichkeit, trotz Trennung und neuer Partner auf zugewandte und würdevolle Art Teil im Lebens des anderen zu bleiben. Eure Kinder werden von Schuldgefühlen oder Versuchen, Verantwortung oder eine Beschützerrolle für eines der Elternteile zu übernehmen, entbunden, was das Verhältnis zwischen allen Familienmitgliedern spürbar entlastet.